Kiel

Oder: Warum wir lieber in der Kirche singen, als im Aquarium zu schwimmen.

Nach zwei Tagen des Stillstands durften unsere beräderten Gefährte(n) nun auch ihren Stellplatz verlassen. Denn mit luftlinearer Entfernung von 43,2 km zu unserem Schlafplatz sangen wir das Eröffnungskonzert unserer Tournee . Dort angekommen schnupperten wir – natürlich rein aus Stimmpflegegründen – zunächst ein bisschen salzige Meeresluft. Wir wanderten an der Kieler Förde vorbei an Wassergefährten unterschiedlichster Bau- und Benennungsgeschmäcker: Gudrun die Dritte und Baldur der Elfte waren unsere Favoriten.

Am Ende des Hafenbereichs erwartete uns das Geomar-Schauaquarium des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung. Wie es in der Forschung und Tierschau so üblich ist, waren die Lebensräume der dortigen Wasserlebewesen sehr naturnah eingerichtet: Plastikpflanzen, wenig Platz und glotzende Menschen. Und wie es sich für unsere Tierart gehört, glotzten wir mit zahnspangengrinsendem Übermut auf Seesterne und Halfterfische in viel zu kleinen Becken. Dennoch freuten wir uns beim Mittag darüber, dass wir uns kein Fischbrötchen im Aquarium zusammenfischern mussten. Denn wir hatten morgens für Brezeln in unserem Lunchpaket gesorgt.

Nach Fischen und Brezeln verließen wir das Ufer und liefen zu unserem nachmittäglichen Konzertort: die Kirche St. Nicolai in der Kieler Altstadt. Letztere durften wir in kleinen Gruppen selber entdecken. Viel zu sehen gab es dort hoffentlich nicht, denn unsere Aufmerksamkeit fror auf kalten Mangostücken aus dem lokalen Supermarkt fest.

Mit dieser guten Stärkung waren wir bereit für eine lange Stellprobe und ein kurzes Konzert. Dieses war Teil einer Konzertreihe aus 30-minütigen Kulturgenüssen. Das Publikum – die Tierart Mensch beobachtet auch gerne eigene Artgenossen – schien hocherfreut und wir selber waren zufrieden mit einem gelungenen Tourneeauftakt.

Zurück in der Jugendakademie Bad Segeberg gab es warmes Essen – zum Glück kein Fischgericht – und eine kurze abendliche Probe. Je nach Alter und Müdigkeitsstand war der Abend auch noch lang genug für verschieden anstrengende Gesellschaftsaktivitäten…

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