Fahrara-Fahrara-Rabum

Das Wandern ist des Chores Lust – Kurz vor Ende der Tournee gab es heute noch einmal einen Tag ohne Konzert. Jedoch nicht unbedingt weniger Aktion. Die traditionelle Wanderung mit dem gesamten Tournee-Chor stand an. Nach Plön auf die Prinzeninsel sollte es gehen.

Da ein Paar leider nicht ganz so gut zu Fuß waren und unser Kleinbus zur Verfügung stand, ging es für die Einen also mit dem großen Bus zwei Seeen und etwa 13 Kilometer weiter nach Malente zur großen Wanderung und für die Anderen direkt nach Plön zu einem Stadtrundgang.

Nach einer schönen Strecke entlang der Seen, durch Wälder, vorbei an Feldern und vielen Dutzend Fahrradfahrern ausweichend erreichten wir den für viele doch sehr wichtigen Tagesordnungspunkt: den Rewe in der Plöner Innenstadt. Dort versorgte man sich mit den überlebenswichtigen Snacks für die morgige Rückfahrt oder auch nur mit einer Packung gerfrorener Mangostückchen (Eine hervorragende Alternative um sich ohne das klassische Eis und noch dazu relativ stimmschonend eine Erfrischung zu gönnen)

Voll gepackt mit tollen Sachen ging es nun vereint mit der Gruppe des Kleinbuses – sie hatten uns am Rewe erwartet – weiter auf die Prinzeninsel und an die dortige Badestelle. Da die ortsansässige DLRG-Station leider unbesetzt war, war leider kein richtiges Badeerlebniss möglich, aber für eine Abkühlung nach der Wanderung reichte es dann doch.

Zurück in der Jugendakademie Bad Segeberg war es zum letzten mal Zeit für einen Tagesabschluss, diesmal ganz besonderer Art: Die künftigen Ehemaligen wurden feierlich verabschiedet. Sie starten nach dem Sommer in die nächsten spannenden Lebensabschnitte. Nun heißt es nur noch Packen und Räumen, um erfolgreich – nichts vergessend – in den letzten Tag der Tournee gen Erfurt zu starten.

Ein Chorkleid im Rosenstrauch

Hamburg, Hafestadt, Stadt des Fischbrötchens und der Geburtsort des Dialektes von Käpt’n Blaubär. Doch uns zog es in ein Meer aus Blumen im Herzen der Hafenstadt.

Gegen Mittag saßen wir, elgant in rot und blau, in unserem Bus nach Hamburg und tuckerten die stürmische A1 entlang. Angekommen mussten wir zuerst die Strassen Hamburgs überleben. Wilde Fahrradfahrer an jeder Flanke des Chores, verwirrende Weg-Strukturen und blaue Ampeln über unseren Köpfen. Doch wir folgten unserem Leuchtturm (Herr Philippi) und kamen wohlbehalten am rosigen Hafen an: Planten un Blomen.

Wir gaben zwei Konzerte, eins konfuser als das andere. Vier fliegende Hände am Klavier, eine Konzert-Muschel im Stil des Brutalismus, versteckte Brause und Wasser im Keller. Doch der Chor sang unbeirrt weiter, wie eine Sirene im Sturm. Die Gefahr versiegte jedoch nicht, man blickte sich in der Gruppe um und in jeder dritten Kinderhand ein Eis am Stiel und das in Chorkleidung. Ein Nervenkitzel nicht nur musikalischer Art.

Blitzeblank, hoffentlich, verließen wir im Bus Hamburg schon wieder und das Chor-UNO beheerschte die untere Etage. Grüne Neunen gleiteten durch die Lüfte und hinterher gleich die Hände der spielenden Menschen. Ein wahrer Kampf der Töne und Hände.

Doch wurde er zum Abendessen wieder beigelegt. Bohnen und Brot haben schon die streitigsten Konflikte zum Stillstand gebracht. Am Ende des Tages erfüllten Spaß, Tanz, Basteleien und intensive Werwolf-Runden Bad Segeberg.

Vom palindromischen Knochenkauer

Suche nach Ruhe, aber durch das Gleichgewicht, nicht durch den Stillstand deiner Tätigkeit. – Friedrich über Ruhe

Es war ein Geier, der hackte in meine Füße. Stiefel und Strümpfe hatte er schon aufgerissen, nun hackte er schon in die Füße selbst. – Franz über ossivore Lebewesen

O Täler weit, o Höhen, o schöner, grüner Wald, du meiner Lust und Wehen andächt’ger Aufenthalt!

Ausgesprochen andächtig hält sich nun schon seit über hundert Jahren ein palindromischer Knochenkauer im Sachsenwald auf. Dort hat er 1898 in idyllischer Natur seinem etymologischen Naturell trotzend in das dort üppige Gras statt ins Mark gebissen. Übrig geblieben sind vermutlich Knochen. Nachgeschaut hat wohl keiner, auch wir durften nicht. Unsere Vermutung: Skelett mit Schnurrbart.

Auf Friedrich Schiller jedoch wollte Otto von Bismarck nicht hören, denn in Friedrichsruh ruht Otto durch (Lungen-)Stillstand. Zu Lebzeiten war dies wohl anders, wie uns die dortige Gedenkstätte zum ersten Reichskanzler eindrücklich zeigte. Neben seinem Mausoleum konnte man dort von historischen Karten bis zu alten Briefen (die Schrift!) all das sehen, was die Autorin dieses Textes eben so interessiert. Am Rande soll der freundliche Vortragende auch politische und gesellschaftliche Hintergründe beleuchtet haben…

Und den fröhlichen Chor, der auf den Ästen sich wiegt – Schiller über die Wanderung der Chorakademie Erfurt von Friedrichsruh nach Aumühle

Nach diesem Spaziergang holten wir unsere Chorkleidung aus dem in Aumühle apparierten fahrenden Ritter und bereiteten uns im dortigen Augustinum auf unser Konzert vor.

Drum lad ich all mein Lebetage nie alte Männer / Weibsen auf mein Wage – wir in einer Seniorenresidenz zu den dortigen – …

Doch das schien niemand persönlich zu nehmen, denn alle dort Residierenden waren sichtlich begeistert von unserem Programm. Es wurde fröhlich mitgesungen, unseren Geburtstagskindern herzlich gratuliert und alle wirkten sehr berührt von unserem Konzert.

Je weniger die Leute davon wissen, wie Würste und Gesetze gemacht werden, desto besser schlafen sie. – Vielleicht Otto von Bismarck

Na dann hören wir mal auf, über Vegetarismus und Politik nachzudenken und machen die Kammer zu.

Vom Anfangen

Am Anfang… Ja, da muss man erstmal anfangen. Und wie fängt man so einen Text an? Ich könnte natürlich einen Anfang klauen. „Nennt mich Ishmael?“ Im Tourneechor gibt es keinen Ishmael. „Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen?“ Wer’s glaubt. „Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.“ Nun, Gregors, beziehungsweise Georgs, haben wir drei Stück von mit, aber weder ich noch meine Co-Georgs schienen insektoider Natur. Und unruhig träumte ich auch nicht. 
Ich früchte, diese Idee bleibt fürchtelos – Verzeihung, andersrum.

Der Autor des heutigen Tags jedenfalls entschied sich für einen klassischen Anfang: ein Frühstück. Altbewährt, aber auch altbacken. Nach einem geschwinden Einnehmen der Bussitzplätze ging es ab nach Ellerhoop, vorbei an Feldern, den daraufstehenden Pferden und die gelegentlich um sie herum befindlichen Ställe.
Vom Anfang zur Ankunft im Arboretum: nach einiger Verwirrung, ob wir jetzt angekommen waren oder nicht, begannen wir nach dem Ausräumen des Busses mit unserer Schlendertour durch das Arboretum in Ellerhoop. Der Name Arboretum kommt übrigens vom lateinischen Wort arbor, was „Baum“ bedeutet. Der Etymologie antithetisch gab es dort jedoch nicht nur Bäume vielerlei Art, wie Bitterorangen, Zypressen und Magnolien, sondern auch eine Vielfalt an Sträuchern und farbenfrohen Blumen. Sogar einen kleinen Teich mit einer Art Stegterasse und wunderschönen Lotusblumen, von denen ein Großteil leider noch nicht blühte.

Ein sehr ansprechender, bereichernder Verschnaufer vor dem Anfang der Stellprobe. Die sah für unsere Chorsingenden das Aufstellen unter einem Zelt vor, denn es war das erste vollständige Open Air-Konzert der Tournee. 60 Stühle und ungefähr 6 Bänke später war auch sitzgelegenheitsmäßig alles rausgeputzt für das Konzert, nur nicht… wir. Also ab zum Umziehen! Und da wurde wild gesucht. Von Gürteln bis zu Kleidersäcken schien alles abhanden kommen zu können und tat das auch. Irgendwie ließ sich dann aber doch alles finden und wir konnten unsere Plätze einnehmen. Kinder- und Mädchenchor auf, neben und vor der Bühne für „¡Cantar!“, Jugendchor auf den erwähnten Bänken.

Plötzlich fing es an leicht zu regnen, was unseren auf den Bänken sitzenden Singbegeisterten leichte Sorge bereitete. Aber es blieb bei einem leichten Nieseln. Ein durch das Team des Arboretums freundlicherweise aufgestellter Schirm hielt dies vollends von unserer Dirigentin fern. Und auch die beunruhigenden, donnerähnlichen Geräusche stellten sich lediglich als Mikrofonrauschen heraus, sodass das Konzert ohne größere Probleme verlaufen konnte.

Danach: ein- und anpacken, ab zum Bus und zurück zur VJKA JugendAkademie Bad Segeberg. Und hier sind wir nun. Was der Abend noch bringen wird, weiß ich nicht. Was ich weiß, ist, dass meine Noten noch irgendwo sind, aber nicht, wo genau. Ich weiß, dass wir rechtzeitig zum Abendessen ankommen und nach der Einnahme von diesem tanzen werden. Aber ich weiß immer noch nicht, wie man so einen Text

anfängt.

Am Strand auf Fehmarn

Beginnen wir unseren Tag heute nach dem obligatorischen Wecken, frühstücken und in den Bus steigen. Pünktlich um 9:15 rollt der Bus Richtung Fehmarn und das ist auch wichtig, sonst passt heute unser Zeitplan nicht. Auf Grund unseres späten Konzerts müssen wir darauf achten, dass wir rechtzeitig wieder in Bad Segeberg sind, bevor sich unser Bus über Nacht ausruhen muss.

Erster Punkt im Programm ist die Besichtigung von Fehmarn, einer gemütlichen kleinen Ostseestadt und daran anschließend ein Besuch im Infocenter zum Fehmarnbelt-Tunnel. Hier lernen wir zum Beispiel wie gut die Deutsch-Dänische Zusammenarbeit beim Tunnelbau funktioniert, die unterschiedliche Lebenseinstellung in Dänemark und Deutschland und wie auf der Baustelle mit Naturschutz umgegangen wird.

Das erledigt ging es endlich an den lang ersehnten Ostseestrand. Wichtig! Nur planschen ist erlaubt. Schwimmen war der Jugendchor ja letzte Woche schon. Im Wasser wurden wir von Quallen begleitet. Am Strand wurde Volleyball und Karten gespielt oder einfach der Sand und die Sonne genossen.

Um die Stimmen nach dem langen Sonnenbad noch auf Betriebstemperaturen zu bringen gab es vor und nach der Stellprobe noch die Gelegenheit im Schatten der Kirche Ruhe zu halten. Die Stimmen wieder flüssig ging es daran die Mitte der Kirche zu finden, was in St. Johannis nicht so einfach war, weil Altarraum, Bestuhlung und Architektur des Mittelschiffs nicht zusammenpassende Orientierungsmöglichkeiten boten. Nichtsdestotrotz war das Konzert ein voller Erfolg mit tollem Klang und gutem Publikum.

Der Kampf um ein Schläfchen und eine Fahne

Ein bedeutsamer Tag. Ein Tag voller Aktion, Freundschaft, Taktik, Mücken, Pollen, Spielkarten und einem Geburtstag (Happy B-Day, Alois!) Die Fahnen wehten, die Kinder rannten und die Karten flogen. Doch am Morgen musste erst mal der Disput des Aufstehens ausgetragen werden. Michael Jackson hatte glitzernde Spuren hinterlassen und alle sehnten sich nach einem guten, langen Schläfchen. Erfahrungsberichten nach wohlverdient und etwas nötig.

Der Tag blieb jedoch nicht wohlgesittet und fluffig, das Fahnenspiel wurde angekündigt. Vier Teams, drei Farben und ein Farbstadium belagerten den Rasen und kämpften wie scharfsinnige Piraten, mit einem französischen Kartenspiel. Die Teams hielten sich alle wacker. Wie Ritter stürmten sie mit Lanze und Schild auf die Gegner und erhofften sich einen glorreichen Sieg. Alle Teams waren erfolgreich, trotz des ein oder anderen müden Gesichts.

Und schließlich klang der Mond durch die Hallen unserer Bleibe, der Tag war vorbei. Ein Zuhause-Tag voller Schlaf und Kampfesgeist. Ein Draußen-Tag voller Grasflecken und Sonnencreme. Ein Tag für kommende Chorjahre mit Tanztutorial-Videodreh.

Und spät Abends, wenn die letzte Tasse Tee bereits getrunken wurde und Origami-Vögel im Traum durch unsere Zimmer fliegen, hört man schon aus der Ferne das rauschende Meer, an dem wir morgen wild über den Strand rennen und die Möwen, die unser Lunchpaket stehlen werden.

Draußen vor dem Bus

Ein Artikel, den kein Blogger veröffentlichen und kein Leser lesen will

Ein Chor kommt nach Hamburg. Er war lange dort, der Chor. Einen Tag. War das lange? Vielleicht zu lange? Eher nicht. Vielleicht genau richtig. Aber abends kam er ganz anders wieder nach Bad Segeberg, als er wegging.

Ein Chor kommt nach Hamburg. Und dort kämpft er sich Stufe für Stufe auf einen Bunker. Einen alten Bunker. Ein grauer Haufen aus dickem Beton. Ein grauer Haufen aus schwerem Schicksal. Aber nachdem sich der Chor die Stufen hochgekämpft hat, wird er von Grün erwartet. Friedliches, freundliches Grün. Ein Grün des schönen, langen Friedens. Ein Grün des zerbrechlichen Friedens.

Der Chor blickt hinab auf die Stadt.

Regenwolken brauen sich dunkel am Himmel zusammen. Und der Chor verlässt den grauen grünen Bunker.

In Teile zerlegt verteilt sich der Chor in den Straßen der Stadt.

Elbphilharmonie und Hafen City

Ein Teil geht zum Hafen. Die Elbe schwappt gegen die Pontons. Keilförmig ragt ein großes Gebäude in die Wellen. Äußerlich ist es ein ferner Verwandter des Flusses selbst, mit seinem wellenförmigen Dach und dem spiegelndem Glas. In dem Gebilde rollt der Chorteil auf endlos langen Stufen weiter hinauf in das Glas. Und von hier sieht er die alte, schwappende Elbe. Die alten, wankenden Schiffe.

Das gläsernde Gebilde spuckt den Chorteil über die rollenden Stufen wieder zurück auf das Elbufer. Von dort läuft er zwischen modernen Gebilden und dem alten Wasser der Elbe entlang. Hafen-City. Teile des Chorteils haben Hunger. Ein stummer nasser Fisch im Brötchen. So richtig dick und glitschig. Scheint zu schmecken.

Man hört den Wind und das Wasser. Eintöniges Klatschen kleiner Wellen.

Auswanderermuseum

Ein Teil geht nach BallinStadt. Zeitzeuge.

Dort erfährt er das Leben eines Auswanderers. Ein Mann geht aus Deutschland. Ein Mann kommt nach Deutschland. Verschiedenste Schicksale.

Der Chorteil erlebt diese Schicksale. Schicksale von Menschen. Menschen, die nach Deutschland kommen. Aus Deutschland gehen. Menschen von denen, die fliehen und suchen. Einige kommen in der Ferne zuhause an. Andere wollen wieder zurück. Wollen Zurück nach Hause kommen und kommen dann doch nicht nach Hause, weil für sie kein Zuhause mehr da ist.

Udo Lindenberg – Panik City

Ein Teil geht zur Reeperbahn. Multimedia-Museum.

Und da erlebt er einen ganz tollen Film. Er muss sich während der Vorstellung mehrmals in den Arm kneifen, denn er weiß nicht, ob er wacht oder träumt. Aber dann sieht er, dass es rechts und links neben ihm noch mehr Bildschirme gibt, die alle dasselbe zeigen. Lautstark schallt Udo Lindenbergs Stimme durch den Raum. Die Grenzen zwischen Realität und KI-Generierung scheinen zu verschwimmen. Aber er erfährt, dass es dann doch wohl die Wahrheit sein muss. Digital verarbeitete Wahrheit. Lautstarke Musik. Moderne Museumspädagogik.

Ja, als der Chorteil am Schluss mit tauben Ohren und müden Augen wieder auf der Reeperbahn steht, merkt er, dass es alles andere als ein alltägliches Museum war. Nein, kein alltägliches Museum. Von einem Mann, der aus Deutschland nach Deutschland wollte.

Hamburger Kunsthalle

Ein Teil geht gen Hauptbahnhof. Daneben die Kunsthalle.

Dort starrt er auf Gemählde, Skulpturen und andere Kunst. Vom 17. Jahrhundert bis zur Moderne ist alles dabei. Auf zwei Gebäude aufgeteilt und viele Etagen. Es reicht nur für einen kurzen Blick auf jedes Kunstwerk, wenn er gerne alles anschauhen möchte. Nicht jeder bemerkt da auch das letzte Gemälde, einsam in einer Ecke hängend. Eine Schnecke? Oder findet die Zeit beim Verzehr seines Lunchpakets die Möwen zu beobachten.

Eine Kunsthalle. Wahrlich. Kunst gibt es hier viel zu sehen. Und mit etwas Fotografiegeschick lässt sich hier sogar neue Kunst erschaffen.

Michael Jackson – Musical

An den Landungsbrücken weht der Wind. Die alte Elbe quasselt. Und ein Chor überquert das Wasser. Auf der anderen Seite wartet ein weiterer Sänger mit Hut und lautstarker Bühnenshow. Knallend schallt das Wummern der Musik in die Köpfe der Menschen. Helles flackerndes Licht, präzise Choreographien. Und für einen müden Geist wird das Gesicht unter dem glitzernden Hut zu dem Anderen. Hut mit Stern. Und der müde Geist wird den Anderen nicht mehr los. Udo Jakobssohn. Michael Limehill.

Der Chor verlässt Hamburg. Der Wind weht weiter. Die Elbe quasselt weiter.

Von fehlender Statistik und der Suche nach Fibonacci

Duftendes Brot lockte uns am heutigen Morgen zurück in die Stadt, die wir erst am Vorabend verlassen hatten. Lübecks beste Bäckerei erwartete uns auf dem Brink, dem heimischen Marktplatz der „Brotupie“. Hier sollten wir zwischen Zucchini, guten Fegern, feinen Bürsten, Johannisbeeren und genanntem Brot ein Kurzkonzert geben. Zweck des Ganzen war natürlich Werbung. Unsere These war, unser übliches Konzertpublikum wiche stochastisch gesehen nicht signifikant von der üblichen Wochenmarktzielgruppe ab.

Diese Vermutung würden wir erst am abendlichen Konzert weiter untersuchen können. Spaß hatten wir allerdings daran, im regen Markttreiben so nah am freundlichen Publikum zu musizieren. Vor allem aber lohnte sich unser Singen, da uns die Brotupie dafür mit blecheweise Zimtschnecken verwöhnte. Ofenfrisch und mit einer Scheibe Eis gefüllt verführten uns die süßen Kringel (also, Spiralen?) gänzlich in die Brotupie. Ein Narr, wer danach nicht ganze Brotlaibe aus dem zum Marktstand umgebauten Pferdewagen in seinen Tagesrucksack stopfte.

Magen und Rucksack nun etwas gefüllter, machten wir uns auf den Weg zur Marienkirche. Einige bodenständige Chormenschen ließen sich durch das Kirchenschiff führen und lernten eben so das Übliche zu einer Kirche, die in der Vergangenheit erbaut wurde.

Die Mauersegler und Turmfalken unseres Chores jedoch ließen sich nicht davon abhalten, die Türme und Gewölbe der mittelalterlichen Backsteinkirche zu erkunden: Glocken, Steine, Gewölbe und die Aussicht über eine rote Stadt. Das Schöne daran: Die Statik von Gewölben ergibt weitaus regelmäßigere Muster als Gebäck.

Danach mussten wir schnell die hunderten Stufen hinunter trappeln, denn unten wartete die Stellprobe. Und Stellproben gehören bekanntlich zu einer ungeduldigen Spezies. Zum Glück war das heutige Indiviuum allerdings nicht so tempivor (lat.: zeitfressend).

Kurze Pause, Umziehen – und schon sangen wir das nächste Konzert. Die Kirche war gut gefüllt mit gerührten potenziellen Wochenmarktkunden. Doch sehr zum Leid der anwesenden Statistikfanatiker wurde unsere morgendliche Vermutung aber nicht weiter analysiert. Wie groß die Schnittmenge der beiden Mengen „Wochenmarktkunden“ und „Kinderchorkonzertbesucher“ nun also wirklich ist, bleibt uns verborgen hinter nicht-fibonaccischen Zimtschnecken…

„Bitte wenig Pommes.

Ich bin nur wegen der Wurst hier!“

„Wir wünschen dir viel Segen…“ erklang es mehrfach zum Wecksingen, denn gleich zwei Geburtstagskinder wollten heute mit unserem traditionellen Geburtstagskanon geweckt werden. Über den Tag hinweg sollten sie dann noch so einiges erleben.

Das Frühstück verlief noch recht ereignislos, abgesehen von einer weiteren Runde Geburtstagskanon.

Beim Morgenkreis ging der Spaß dann aber auch schon los. Akustisches Topfschlagen. Geführt von zustimmenden und ablehnenden Geräuschen mussten bestimmte Positionen im Raum erreicht werden.

Außerdem musste noch die Hiobsbotschaft überbracht werden: Wegen der seit Tagen in Deutschland wütenden Gewitterfront, die nun auch uns erreichen sollte, konnte der Strandbesuch aus Sicherheitsgründen leider nicht stattfinden.

Ein paar Proben später folgte die nächste Nahrungsaufnahme. Currywurst unzerteilt mit Pommes. Darauffolgend fuhr dann ungewöhnlich bald der Bus, wodurch die zweite Runde Wurst bei Manchen dann doch etwas geschlungen und der Nachtisch in der Brotdose mit in den Bus genommen werden musste.

An dem Ausweichziel Lübeck angekommen musste die Kleinbusbesatzung jedoch feststellen, dass der große Bus noch eine Weile im Anreiseverkehrs-Stau der Karl-May-Spiele fest gesteckt hatte. Deshalb wurde die nun längere Wartezeit in der Jakobikirche verbracht, um der schwülen Hitze für einen Moment zu entgehen.

Nach Eintreffen des großen Rests durfte es erstmal ein bisschen Freizeit sein. Neben Klassikern wie Niederegger wurde von manchen sogar schon der morgige Konzertort, St Marien, ausgekundschaftet. Vor eintreffen des Gewitters floh die Gruppe dann in das Hansemuseum. Dort erwartete die Geburtstagskinder erneut eine Aufgabe: „Tragt den Luftballon mit einer weiteren Person durch die Ausstellung, indem ihr ihn nur mit jeweils einem Finger berührt“

Bis alle durch die Ausstellung durchgelaufen waren, bot sich für die Wartenden noch die Gelegenheit für Spiel, Spaß und Entspannung.

Die Regenpause nutzend ging es zurück in die Busse und nach Hause zum wartenden Abendessen. Anschließend erwartete die Geburtstagskinder ein Chortänze an der Musik erraten Quiz und alle gemeinsam dann die vollständige Ausführung selbiger.

Einen Bal(l)ance-Parkur gepaart mit einer Abwandlung von „Ich packe meinen Koffer“ später endete der Tag mit der Tournee-Tagesschau im Abendkreis.

Zu besuch bei Eulenspiegel in Mölln

Geweckt, gefrühstückt und und mit Noten bestückt, wird am frühen morgen die Gelegenheit genutzt, in einer Probe Aufstellungen zu üben und Details aus dem ersten Konzert zu koordinieren.

Also nun geweckt, gefrühstückt und geprobt geht es los mit den Bussen nach Mölln. Zum einen um dort die Stadt und das darin enthaltene Eulenspiegel Museum zu besichtigen, zum anderen um in dem nahegelegenen Augustinum unser zweites Tourneekonzert zu bestreiten.

Die Besonderheit dieses Augustinus (wir haben in den letzten Jahren auf Tournee schon in dem einen oder anderen Augustinum gesungen) ist, dass es auf einem Berg gelegen hunderte Meter entfernt von dem dazugehörigen Parkplatz liegt. Da allerdings auch bewegungseingeschränkte Menschen in der Lage seien sollen sich der Einrichtung zu nähern, bietet diese die Möglichkeit mit einem sich diagonal bewegenden Aufzug hinauf zu fahren.

Geweckt, gefrühstückt, geprobt , busgefahren, stadtbesichtigt, mit Lunchpaket versorgt, über Till Eulenspiegel informiert und spaziert, geht es gleich weiter mit der Stellprobe.

Alle auf die Bühne, aber erstmal nur der Kinderchor. Und jetzt mit dem Mädchenchor. Kommt mal bitte alle weiter vor. Rechts mehr zusammen rutschen und bitte selbständig Lücken ausgleichen. Wenn ihr den Mond singt, beginnt ihr bitte von der Bühne abzugehen und verlasst dann den Saal. Geht bitte etwas essen und dann treffen wir uns umgezogen in einer Stunde zum Konzert vor dem Saal.

Das in der Zwischenzeit vom Chef des Lunchpaketteams aufgebaute Buffet bestehend aus Nudelsalat und sehr leckeren gefüllten Gebäck Teilchen, wird innerhalb kürzester Zeit vernichtet.

Jetzt beginnt es, das zweite Konzert unserer Tournee.

Bleibt für heute nur noch der Tagesabschluss, den verschieben wir aber lieber aufgrund der späten Uhrzeit auf morgen früh – „Morgenkreis“.

Ab ins Bett.

Der Gemeinschaftsblog der Chorakademie Erfurt und der schola cantorum weimar.