Ein Artikel, den kein Blogger veröffentlichen und kein Leser lesen will
Ein Chor kommt nach Hamburg. Er war lange dort, der Chor. Einen Tag. War das lange? Vielleicht zu lange? Eher nicht. Vielleicht genau richtig. Aber abends kam er ganz anders wieder nach Bad Segeberg, als er wegging.
Ein Chor kommt nach Hamburg. Und dort kämpft er sich Stufe für Stufe auf einen Bunker. Einen alten Bunker. Ein grauer Haufen aus dickem Beton. Ein grauer Haufen aus schwerem Schicksal. Aber nachdem sich der Chor die Stufen hochgekämpft hat, wird er von Grün erwartet. Friedliches, freundliches Grün. Ein Grün des schönen, langen Friedens. Ein Grün des zerbrechlichen Friedens.
Der Chor blickt hinab auf die Stadt.



Regenwolken brauen sich dunkel am Himmel zusammen. Und der Chor verlässt den grauen grünen Bunker.
In Teile zerlegt verteilt sich der Chor in den Straßen der Stadt.
Elbphilharmonie und Hafen City
Ein Teil geht zum Hafen. Die Elbe schwappt gegen die Pontons. Keilförmig ragt ein großes Gebäude in die Wellen. Äußerlich ist es ein ferner Verwandter des Flusses selbst, mit seinem wellenförmigen Dach und dem spiegelndem Glas. In dem Gebilde rollt der Chorteil auf endlos langen Stufen weiter hinauf in das Glas. Und von hier sieht er die alte, schwappende Elbe. Die alten, wankenden Schiffe.

Das gläsernde Gebilde spuckt den Chorteil über die rollenden Stufen wieder zurück auf das Elbufer. Von dort läuft er zwischen modernen Gebilden und dem alten Wasser der Elbe entlang. Hafen-City. Teile des Chorteils haben Hunger. Ein stummer nasser Fisch im Brötchen. So richtig dick und glitschig. Scheint zu schmecken.
Man hört den Wind und das Wasser. Eintöniges Klatschen kleiner Wellen.
Auswanderermuseum
Ein Teil geht nach BallinStadt. Zeitzeuge.
Dort erfährt er das Leben eines Auswanderers. Ein Mann geht aus Deutschland. Ein Mann kommt nach Deutschland. Verschiedenste Schicksale.
Der Chorteil erlebt diese Schicksale. Schicksale von Menschen. Menschen, die nach Deutschland kommen. Aus Deutschland gehen. Menschen von denen, die fliehen und suchen. Einige kommen in der Ferne zuhause an. Andere wollen wieder zurück. Wollen Zurück nach Hause kommen und kommen dann doch nicht nach Hause, weil für sie kein Zuhause mehr da ist.
Udo Lindenberg – Panik City
Ein Teil geht zur Reeperbahn. Multimedia-Museum.
Und da erlebt er einen ganz tollen Film. Er muss sich während der Vorstellung mehrmals in den Arm kneifen, denn er weiß nicht, ob er wacht oder träumt. Aber dann sieht er, dass es rechts und links neben ihm noch mehr Bildschirme gibt, die alle dasselbe zeigen. Lautstark schallt Udo Lindenbergs Stimme durch den Raum. Die Grenzen zwischen Realität und KI-Generierung scheinen zu verschwimmen. Aber er erfährt, dass es dann doch wohl die Wahrheit sein muss. Digital verarbeitete Wahrheit. Lautstarke Musik. Moderne Museumspädagogik.



Ja, als der Chorteil am Schluss mit tauben Ohren und müden Augen wieder auf der Reeperbahn steht, merkt er, dass es alles andere als ein alltägliches Museum war. Nein, kein alltägliches Museum. Von einem Mann, der aus Deutschland nach Deutschland wollte.
Hamburger Kunsthalle
Ein Teil geht gen Hauptbahnhof. Daneben die Kunsthalle.
Dort starrt er auf Gemählde, Skulpturen und andere Kunst. Vom 17. Jahrhundert bis zur Moderne ist alles dabei. Auf zwei Gebäude aufgeteilt und viele Etagen. Es reicht nur für einen kurzen Blick auf jedes Kunstwerk, wenn er gerne alles anschauhen möchte. Nicht jeder bemerkt da auch das letzte Gemälde, einsam in einer Ecke hängend. Eine Schnecke? Oder findet die Zeit beim Verzehr seines Lunchpakets die Möwen zu beobachten.
Eine Kunsthalle. Wahrlich. Kunst gibt es hier viel zu sehen. Und mit etwas Fotografiegeschick lässt sich hier sogar neue Kunst erschaffen.





Michael Jackson – Musical
An den Landungsbrücken weht der Wind. Die alte Elbe quasselt. Und ein Chor überquert das Wasser. Auf der anderen Seite wartet ein weiterer Sänger mit Hut und lautstarker Bühnenshow. Knallend schallt das Wummern der Musik in die Köpfe der Menschen. Helles flackerndes Licht, präzise Choreographien. Und für einen müden Geist wird das Gesicht unter dem glitzernden Hut zu dem Anderen. Hut mit Stern. Und der müde Geist wird den Anderen nicht mehr los. Udo Jakobssohn. Michael Limehill.



Der Chor verlässt Hamburg. Der Wind weht weiter. Die Elbe quasselt weiter.





























































