Duftendes Brot lockte uns am heutigen Morgen zurück in die Stadt, die wir erst am Vorabend verlassen hatten. Lübecks beste Bäckerei erwartete uns auf dem Brink, dem heimischen Marktplatz der „Brotupie“. Hier sollten wir zwischen Zucchini, guten Fegern, feinen Bürsten, Johannisbeeren und genanntem Brot ein Kurzkonzert geben. Zweck des Ganzen war natürlich Werbung. Unsere These war, unser übliches Konzertpublikum wiche stochastisch gesehen nicht signifikant von der üblichen Wochenmarktzielgruppe ab.
Diese Vermutung würden wir erst am abendlichen Konzert weiter untersuchen können. Spaß hatten wir allerdings daran, im regen Markttreiben so nah am freundlichen Publikum zu musizieren. Vor allem aber lohnte sich unser Singen, da uns die Brotupie dafür mit blecheweise Zimtschnecken verwöhnte. Ofenfrisch und mit einer Scheibe Eis gefüllt verführten uns die süßen Kringel (also, Spiralen?) gänzlich in die Brotupie. Ein Narr, wer danach nicht ganze Brotlaibe aus dem zum Marktstand umgebauten Pferdewagen in seinen Tagesrucksack stopfte.





Magen und Rucksack nun etwas gefüllter, machten wir uns auf den Weg zur Marienkirche. Einige bodenständige Chormenschen ließen sich durch das Kirchenschiff führen und lernten eben so das Übliche zu einer Kirche, die in der Vergangenheit erbaut wurde.
Die Mauersegler und Turmfalken unseres Chores jedoch ließen sich nicht davon abhalten, die Türme und Gewölbe der mittelalterlichen Backsteinkirche zu erkunden: Glocken, Steine, Gewölbe und die Aussicht über eine rote Stadt. Das Schöne daran: Die Statik von Gewölben ergibt weitaus regelmäßigere Muster als Gebäck.



Danach mussten wir schnell die hunderten Stufen hinunter trappeln, denn unten wartete die Stellprobe. Und Stellproben gehören bekanntlich zu einer ungeduldigen Spezies. Zum Glück war das heutige Indiviuum allerdings nicht so tempivor (lat.: zeitfressend).
Kurze Pause, Umziehen – und schon sangen wir das nächste Konzert. Die Kirche war gut gefüllt mit gerührten potenziellen Wochenmarktkunden. Doch sehr zum Leid der anwesenden Statistikfanatiker wurde unsere morgendliche Vermutung aber nicht weiter analysiert. Wie groß die Schnittmenge der beiden Mengen „Wochenmarktkunden“ und „Kinderchorkonzertbesucher“ nun also wirklich ist, bleibt uns verborgen hinter nicht-fibonaccischen Zimtschnecken…
Sehr geehrtes Doku-Team
apriori möchten wir artikulieren wie sehr uns eure Exposés delektieren während wir unsere Absens lamentieren. Wir bedauern zu tiefst das Fehlen der Fibonacci-Folge in den zimtigen Kringeln, ermutigen euch jedoch zum Studium derer in Kaninchenpopulationen und Sonnenblumenkern-Anordungen. Auch glauben wir, dass es sich bei Wochenmarkt-Besuchern und Kinderchor-Konzert-Zuhörern um kein Dichotom handelt. Wir wünschen euch weiterhin sehr viel Gaudimonium!