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Die nasse Fledermaus

Abgesehen von der natürlichen Aussicht und Lage, den vielen Brennnesseln und dem Breitwegerich, drang noch etwas anderes in unser vom Schlaf befallenes Gehirn. Mitten im Biss ins Brötchen hüpfte ein Kaninchen vor unserem Fenster herum und frühstückte vergnügt neben uns. Die Gruppe war natürlich hin und weg. Wasser wurde verschüttet und der Käse fiel vom Roggenbrot. Die Freude war groß und so ging es regelrecht hüpfend in Richtung Tagungsraum.

Von den erquickenden Klängen der einzelnen Chöre bis hin zu den klingenden Wellen des Sees, konnten unsere kleinen Menschen heute alles erleben. Der Kinderchor plantsche mit den Entlein und verteidigte sein Dorf vor den Werwölfen. Weniger dramatisch verlief der Nachmittag des Jugendchors. Am See ging er mit leichtem Sonnenbrand, Wasser im Ohr und Sand in den Badesachen einher. Weltmeisterschaften wurden ausgetragen im Volleyballspiel und Turm(See)springen. Wetten wurden geschlossen und es wurde wild darum gespielt wer die höchsten Karten auf der Hand hat. Der ungestüme Jugendchor.

Der Chor kam jedoch zu Ruh als wir uns auf die Fledermaus-Nachtwanderung begaben. Wir wurden zwar um Stille gebeten, aber wer kann schon Ruhe halten, wenn unzählige Fledermäuse über einem Fliegen. Bleibt nur die ständige Angst, dass die nächste Fledermaus im Haar hängen bleiben und mit einem davon fliegen könnte. Die Nacht war lang, spannend, aber lang. Die Kinder schlafen, die Großen hoffentlich auch, die Betreuenden tun Nachts ihre letzten Handgriffe und nur das kleine Kaninchen hüpft noch unter den Sternen herum.

Fliegen wir Rosinen

Heute waren wir auf dem Flughafen Tempelhof. Ein riesiges Konstrukt voller Geschichte und verstecktem Brutalismus.
Mit einer Führung erkundeten wir die Tiefen und die Höhen das Flughafens, die kleinen, dunklen Luftschutzbunker, bis hin zu einer grandiosen Aussicht auf Berlin.

Räume so lebendig, dass man vermuten könnte das diese erst vor kurzen voller Leben waren. Spuren von einer längst vergangenen Zeit durchzogen die Wände und die Mauern. Lachen, wilde Diskussionen und manchmal vielleicht sogar Tränen vernahm dieser Ort und zog sie wie ein Schwamm in sich auf und trägt diese in die Ewigkeit weiter.

Und natürlich gab es an diesem Tag auch ein Konzert. Auf dem weg dorthin über das Tempelhofer Feld verloren wir leider die 48 und 49. Spandau erkundeten wir und ließen den Ort erklingen und zum Tanzen bewegen. Die Kirche voller Kontraste, gotische Säulen, eine expressionistische Krippe und minimalistische Fenster. Doch wahrlich sind wir keine Maschinen und genossen eine lange Pause und eine grandiose Tribüne, um unseren Geist zur Musik zu öffnen. Es war ein gelungenes Konzert voller Euphorie und Klang.

Die verschlingenden Wellen der Großstadt

In die dunklen Wellen der Stadt haben wir uns heute gestürzt. Haie mit Scheinwerfer als Augen, Goldfische mit billigen Sneakern und Algen mit Buzzcut und Schnurrbart. Tausende glitzernde Hacken trieben um uns herum, Schuhe, Jacken und wunderbare Bücher verlockten uns, den Strom des Chores zu verlassen. Doch wir blieben dem Chor treu und liefen stur gerade aus. Wir trafen auf die Überreste einer alten Sandbank, welche vor 34 Jahren durch einen Weststrom niedergerissen wurde. Doch zog uns die Neugier in die Mitte des Riffs.

Gleichwohl genug mit der Wassermetapher, obwohl einige wahrlich wie Goldfische drein blickten. An jeder Ecke Berlins versteckt sich eine Geschichte, ob es eine kleine Pflanze mit dem Erbgut von Marlene Dietrichs Birke ist, ein kleines Café mit dem besten Tee Berlins oder die alten Gleise auf denen die ersten Lokomotiven fuhren, sie umgeben uns überall.

Doch das Hauptthema unseres kleinen Streifzuges war die dramatische Geschichte der Berliner Entstehung und das Stelenfeld. Auf dem letzteren wurden wir in drei Gruppen aufgeteilt und herumgeführt, mit jeweils drei famosen Ortskundigen. Mein persönlicher Höhepunkt war der kleine Vortrag über den Architekten des Stelenfeldes, weil er verschiedenen Interpretationen seines Werkes gegenüber offen ist.

Aber unter dem Stehlenfelde versteckte sich, hinter einer Sicherheitssperre, ein kleines Dokumentationszentrum. Die Schriften an den Wänden erzählten die vielen Geschichten von den Ermordeten des Holocausts.

Wir verblieben dort eine bedrückende Stunde und gingen dann mit einem Geist voller Geschichten, müden Füßen und frierenden Körpern zurück in unser wohlbekanntes Gasthaus.

Der Wasserdrache

Der Tag begann wie üblich, kurz vor dem Tourneeabschluss kann man beinahe von einer Routine sprechen: nahezu perfekter Gesang des Weckteams, Frühstück und der unübliche, aber doch vertraute Morgenkreis, Einsingen und vieles mehr.

Nach alledem fuhren wir eine Stunde nach Füssen um ein Adrenalin-durchzogenes Wettfahren mit den unvergleichlichen Drachenbooten zu fahren und zu gewinnen. Es gab sechs Teams, dessen Namen so skurril waren, das mir alle entfielen, alles sechs.

Aufgedreht vom Sieg und der Niederlage fuhren wir zu unserem letzten Auftritt. Fast jedes Lied erklang in dieser Kirche, von „Kusimama“ bis zu der ersten und vierten Strophe von „Lobe den Herrn“. Dieses Konzert war des Abschlusses würdig.

Das schweigende Klavier

Der heutige Tag begann ganz normal mit engelsgleichem Gesang des Weckteams, welcher etwas murrend kommentiert wurde, weil es angeblich zu früh gewesen wäre. Einige Sänger stellten sich sogar noch einen Wecker, um noch einmal ein paar Minuten Schlaf rauszuholen.

Tja, unser Chor hält nichts mehr aus.

Nach einem ausgiebigen Frühstück, in dem nach zwei Minuten die Nutella verdampfte, starteten wir mit einem noch nie da gewesenen, spektakulären Morgenkreis. Konzerte wurden besprochen, Belehrungen gehalten, Kichern versteckt, ein Tagesrückblick des gestrigen Tages und vieles mehr, was sie aber nie erfahren werden.

Eine Busfahrt war der nächste Punkt des Tagesplans und diese führte uns zu den Scheidegger Wasserfällen. Diese wurden von einem mystischen Wald umgeben, in dem zugleich ein kleiner Märchenwald versteckt war.

Mitten im Wald stand zwischen den Bäumen ein Klavier. Der Lack war schon abgeblättert, der Rost zerfraß die Klaviersaiten und das Holz zerfiel an vielen Ecken schon. Doch wenn man die Saiten per Hand erklingen ließ, da kam ein zarter aber schiefer klang, der langsam den Wald erklingen ließ.

Ein Albtraum für jeden Pianisten.

Am Ende des Ausfluges lief der eine Teil der Gruppe zur Kirche und der andere fuhr mit dem Bus.

Wir Wanderer wanderten über Felder, Dörfer und Wälder und erreichten unserer Ziel nach einer guten halben Stunde.

Als dann jeder schlussendlich angekommen war, bereiteten wir uns auf unser Konzert vor. Musik erklang, Hochdeutsch und andere Fremdsprachen durchfluteten die Kirche und wir mitten drin.

Der Tag und das Schiff

Nach einer ungewohnten und erschreckend ruhigen Fahrt kommen wir in Lindau an. Im Anschluss durften wir in Gruppen die kleine Insel im Bodensee erforschen. Dieser kleine Fleck Zivilisation hatte viele unterschiedliche Facetten: Neubau, Altbau, kleine versteckte Fantasy-Läden und vieles mehr.

Nach einer langen, sonnigen und ungefähr dreistündigen Erkundung unter klarem Himmel, trafen wir uns am Ufer, gegenüber des Leuchtturmes, um anschließend vollzählig das Schiff Richtung Bregenz zu nehmen. Doch wann ist unser Chor jemals pünktlich losgegangen? Heute auf jeden Fall nicht.

Irgendwie schafften wir es dann doch noch pünktlich auf das Boot, das uns nach Bregenz bringen sollte. Das Wasser trieb unter dem Motor in jede Richtung, überschlug sich und kam als Welle wieder an die Oberfläche. Während die Wellen taten was sie wollten, schweifte der Blick zum Himmel und erblickte wie die Wolken aufbrachen und nur einzelne Sonnenstrahlen das Wasser trafen.