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Vom palindromischen Knochenkauer

Suche nach Ruhe, aber durch das Gleichgewicht, nicht durch den Stillstand deiner Tätigkeit. – Friedrich über Ruhe

Es war ein Geier, der hackte in meine Füße. Stiefel und Strümpfe hatte er schon aufgerissen, nun hackte er schon in die Füße selbst. – Franz über ossivore Lebewesen

O Täler weit, o Höhen, o schöner, grüner Wald, du meiner Lust und Wehen andächt’ger Aufenthalt!

Ausgesprochen andächtig hält sich nun schon seit über hundert Jahren ein palindromischer Knochenkauer im Sachsenwald auf. Dort hat er 1898 in idyllischer Natur seinem etymologischen Naturell trotzend in das dort üppige Gras statt ins Mark gebissen. Übrig geblieben sind vermutlich Knochen. Nachgeschaut hat wohl keiner, auch wir durften nicht. Unsere Vermutung: Skelett mit Schnurrbart.

Auf Friedrich Schiller jedoch wollte Otto von Bismarck nicht hören, denn in Friedrichsruh ruht Otto durch (Lungen-)Stillstand. Zu Lebzeiten war dies wohl anders, wie uns die dortige Gedenkstätte zum ersten Reichskanzler eindrücklich zeigte. Neben seinem Mausoleum konnte man dort von historischen Karten bis zu alten Briefen (die Schrift!) all das sehen, was die Autorin dieses Textes eben so interessiert. Am Rande soll der freundliche Vortragende auch politische und gesellschaftliche Hintergründe beleuchtet haben…

Und den fröhlichen Chor, der auf den Ästen sich wiegt – Schiller über die Wanderung der Chorakademie Erfurt von Friedrichsruh nach Aumühle

Nach diesem Spaziergang holten wir unsere Chorkleidung aus dem in Aumühle apparierten fahrenden Ritter und bereiteten uns im dortigen Augustinum auf unser Konzert vor.

Drum lad ich all mein Lebetage nie alte Männer / Weibsen auf mein Wage – wir in einer Seniorenresidenz zu den dortigen – …

Doch das schien niemand persönlich zu nehmen, denn alle dort Residierenden waren sichtlich begeistert von unserem Programm. Es wurde fröhlich mitgesungen, unseren Geburtstagskindern herzlich gratuliert und alle wirkten sehr berührt von unserem Konzert.

Je weniger die Leute davon wissen, wie Würste und Gesetze gemacht werden, desto besser schlafen sie. – Vielleicht Otto von Bismarck

Na dann hören wir mal auf, über Vegetarismus und Politik nachzudenken und machen die Kammer zu.

Alte Häuser und ein „f“

Ein Pfahl ist laut Duden ein „langes rundes oder kantiges Bauteil aus Holz, Stahl oder Beton, das meist an einem Ende zugespitzt ist“. Ein Pahl steht zwar nicht im Duden, ist aber gleich zweimal im Chor vertreten. Dementsprechend besuchten wir heute das Pahlbautenmuseum in Unteruhldingen, auch wenn sich in unseren Plan wohl ein „f“ zu viel eingeschlichen hatte. Woher das wohl kommt?

Am flachen Ufer des Bodensees in Unteruhldingen stehen gut zehn Häuser, gebaut aus alten Baumstämmen. In ihnen können Besucher die Lebensweise von Pfahlbauern aus der Stein- und Bronzezeit bestaunen. Die Häuser stehen, wie der Name sagt, auf Pfählen im flachen Wasser des Bodensees und beinhalten Tierfelle, Töpfereien, ausgestopfte Tiere und realistisch dargestellte Menschen. Diese Darstellungen beinhalteten unter anderem schlagende Eltern und verängstigte Kinder, wodurch wir uns gut in das Alltagsleben der Pfahlbautenbewohner hineinversetzen konnten. Einzig und allein die vielen Plastikschilder rissen uns wieder aus den Phantasien.

In kleinen Gruppen durchstreiften wir das Gelände und schauten uns je nach Vorliebe Objekte, Filme und Vorträge an. Andere setzten sich in die Sonne ans Ufer des Bodensees und genossen ihr Lunchpaket.

Ein ausgiebigeres Essen gab es dann am Abend im Augustinum in Meersburg, wo wir eingeladen wurden, ein Konzert zu geben. Nach diesem freundlichen Empfang hatten wir noch die Möglichkeit, uns die tolle Lage der Seniorenresidenz anzuschauen: am Weinberg mit Blick auf den Bodensee. Unser Konzert sollte dann unter Platanen und mit Blick auf den See stattfinden, beides natürlich nur für das Publikum.

Um für den Zuschauer ein schönes Bild zu erschaffen, musste der Chor nun mal mit dem Rücken zur Kulisse stehen. Doch selbstverständlich konnten wir von dem ganzen Spektakel sowieso nichts wahrnehmen, denn so sehr klebten unsere Blicke an Frau Fischers Händen. Und so konnten wir uns nur vorstellen, wie die mächtigen Platanen über uns in den blauen Himmel ragten, die Sonne langsam unterging und vielleicht sogar ein Zeppelin über dem Bodensee zu sehen war. Die Platanen schützen uns vor der knallenden Hitze des Tages, hinter uns thronten die schroffen Bergspitzen über das glatte Wasser des Bodensees.

Erst beim Abgang kamen uns leise Zweifel an unserem schönen Bild. So gab es auf einmal nur noch eine Treppe und auch das Klavier klang, wenn man es sich recht überlegte, so gar nicht nach dem Keyboard, welches wir draußen aufgebaut hatten. Auch der fehlende Wind machte uns skeptisch und so erfuhren wir schließlich, was wir schon vermutet hatten: mitten im Konzert sind wir wohl wetterbedingt in den Saal gewechselt.

Wiederholungstäter SCHAREN UNIFORMIERTER JUGENDLICHER IM AUGUSTINUM KLEINMACHNOW GESICHTET

Nach unserem Überfall 2012 taten wir es heute erneut. Lautstark und uniformiert in blau und rot fielen wir über das Augustinum Kleinmachnow in Berlin her und brachten alte und junge Menschen zum Weinen und erleichterten sie darüber hinaus noch um den Inhalt ihrer Taschen.

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Kein Wunder, denn das Augustinum Kleinmachnow war Veranstaltungsort des zweiten Konzertes unserer Berlin Tournee. In der trockenen Akustik des Konzertsaals des Augustinums brachten wir die zahlreichen Facetten unseres Programmes fantastisch zum erklingen, sodass die Spenden am Ende doch wohl verdient waren und die eine oder andere Freudenträne rann. Und schließlich war es doch das schlichte Volkslied „Auf einem Baum ein Kuckuck“ das unseren Besuchern, besonders den Älteren, die Herzen öffnete.

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