Geweckt, gefrühstückt und und mit Noten bestückt, wird am frühen morgen die Gelegenheit genutzt, in einer Probe Aufstellungen zu üben und details aus dem ersten Konzert zu koordinieren.
Also nun geweckt, gefrühstückt und geprobt geht es los mit den Bussen nach Mölln. Zum einen um dort die Stadt und das darin enthaltene Eulenspiegel Museum zu besichtigen, zum anderen um in dem nahegelegenen Augustinum unser zweites Tourneekonzert zu bestreiten.
Die Besonderheit dieses Augustinus (wir haben in den letzten Jahren auf Tournee schon in dem einen oder anderen Augustinum gesungen) ist, dass es auf einem Berg gelegen hunderte meter entfernt von dem dazugehörigen Parkplatz liegt. Da allerdings auch bewegungseingeschränkte Menschen in der Lage seien sollen sich der Einrichtung zu nähern, bietet diese die Möglichkeit mit einem sich diagonal bewegenden Aufzug hinauf zu fahren.
Geweckt, gefrühstückt, geprobt , busgefahren, stadtbesichtigt, mit Lunchpaket versorgt, über Till Eulenspiegel informiert und spaziert, geht es gleich weiter mit der Stellprobe.
Alle auf die Bühne, aber erstmal nur der Kinderchor. Und jetzt mit dem Mädchenchor. Kommt mal bitte alle weiter vor. Rechts mehr zusammen rutschen und bitte selbständig Lücken ausgleichen. Wenn ihr den Mond singt, beginnt ihr bitte von der Bühne abzugehen und verlasst dann den Saal. Geht bitte etwas essen und dann treffen wir uns umgezogen in einer stunde zum Konzert vor dem Saal.
Das in der Zwischenzeit vom Chef des Lunchpaketteams aufgebaute Buffet bestehend aus Nudelsalat und sehr leckeren gefüllten Gebäck Teilchen, wird innerhalb kürzester Zeit vernichtet.
Jetzt beginnt es, das zweite Konzert unserer Tournee.
Bleibt für heute nur noch der Tagesabschluss, den verschieben wir aber lieber aufgrund der späten Uhrzeit auf morgen früh – „Morgenkreis“.
Oder: Warum wir lieber in der Kirche singen, als im Aquarium zu schwimmen.
Nach zwei Tagen des Stillstands durften unsere beräderten Gefährte(n) nun auch ihren Stellplatz verlassen. Denn mit luftlinearer Entfernung von 43,2 km zu unserem Schlafplatz sangen wir das Eröffnungskonzert unserer Tournee . Dort angekommen schnupperten wir – natürlich rein aus Stimmpflegegründen – zunächst ein bisschen salzige Meeresluft. Wir wanderten an der Kieler Förde vorbei an Wassergefährten unterschiedlichster Bau- und Benennungsgeschmäcker: Gudrun die Dritte und Baldur der Elfte waren unsere Favoriten.
Am Ende des Hafenbereichs erwartete uns das Geomar-Schauaquarium des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung. Wie es in der Forschung und Tierschau so üblich ist, waren die Lebensräume der dortigen Wasserlebewesen sehr naturnah eingerichtet: Plastikpflanzen, wenig Platz und glotzende Menschen. Und wie es sich für unsere Tierart gehört, glotzten wir mit zahnspangengrinsendem Übermut auf Seesterne und Halfterfische in viel zu kleinen Becken. Dennoch freuten wir uns beim Mittag darüber, dass wir uns kein Fischbrötchen im Aquarium zusammenfischern mussten. Denn wir hatten morgens für Brezeln in unserem Lunchpaket gesorgt.
Nach Fischen und Brezeln verließen wir das Ufer und liefen zu unserem nachmittäglichen Konzertort: die Kirche St. Nicolai in der Kieler Altstadt. Letztere durften wir in kleinen Gruppen selber entdecken. Viel zu sehen gab es dort hoffentlich nicht, denn unsere Aufmerksamkeit fror auf kalten Mangostücken aus dem lokalen Supermarkt fest.
Mit dieser guten Stärkung waren wir bereit für eine lange Stellprobe und ein kurzes Konzert. Dieses war Teil einer Konzertreihe aus 30-minütigen Kulturgenüssen. Das Publikum – die Tierart Mensch beobachtet auch gerne eigene Artgenossen – schien hocherfreut und wir selber waren zufrieden mit einem gelungenen Tourneeauftakt.
Zurück in der Jugendakademie Bad Segeberg gab es warmes Essen – zum Glück kein Fischgericht – und eine kurze abendliche Probe. Je nach Alter und Müdigkeitsstand war der Abend auch noch lang genug für verschieden anstrengende Gesellschaftsaktivitäten…
Abgesehen von der natürlichen Aussicht und Lage, den vielen Brennnesseln und dem Breitwegerich, drang noch etwas anderes in unser vom Schlaf befallenes Gehirn. Mitten im Biss ins Brötchen hüpfte ein Kaninchen vor unserem Fenster herum und frühstückte vergnügt neben uns. Die Gruppe war natürlich hin und weg. Wasser wurde verschüttet und der Käse fiel vom Roggenbrot. Die Freude war groß und so ging es regelrecht hüpfend in Richtung Tagungsraum.
Von den erquickenden Klängen der einzelnen Chöre bis hin zu den klingenden Wellen des Sees, konnten unsere kleinen Menschen heute alles erleben. Der Kinderchor plantsche mit den Entlein und verteidigte sein Dorf vor den Werwölfen. Weniger dramatisch verlief der Nachmittag des Jugendchors. Am See ging er mit leichtem Sonnenbrand, Wasser im Ohr und Sand in den Badesachen einher. Weltmeisterschaften wurden ausgetragen im Volleyballspiel und Turm(See)springen. Wetten wurden geschlossen und es wurde wild darum gespielt wer die höchsten Karten auf der Hand hat. Der ungestüme Jugendchor.
Der Chor kam jedoch zu Ruh als wir uns auf die Fledermaus-Nachtwanderung begaben. Wir wurden zwar um Stille gebeten, aber wer kann schon Ruhe halten, wenn unzählige Fledermäuse über einem Fliegen. Bleibt nur die ständige Angst, dass die nächste Fledermaus im Haar hängen bleiben und mit einem davon fliegen könnte. Die Nacht war lang, spannend, aber lang. Die Kinder schlafen, die Großen hoffentlich auch, die Betreuenden tun Nachts ihre letzten Handgriffe und nur das kleine Kaninchen hüpft noch unter den Sternen herum.
Geweckt von einem lieblichen finnischen Gesang schälten sich heute morgen alle aus ihren mitlerweile wohl vertrauten Betten. Beim Frühstück genossen wir noch ein letztes Mal den Luxus des großzügigen Frühstücksbuffets der Philippis. Dann hieß es Lunchpakete für den Tag schmieren – und dabei möglichst alle Reste verarbeiten – und ab ging’s zum Morgenkreis, den wir von gestern nachholten. Ebenfalls nachgeholt wurde das Verteilen der zuvor besorgten Glückskekse. Wer es nicht zuvor schon getan hatte, packte seine sieben Sachen, darauf folgten die hunderten Dinge des Chores. Beim Aufräumen der Zimmer im allgemeinen Kofferchaos erschallte Gesang wie ein Echo der fast vergangenen Tournee durch die Flure.
Doch es war noch nicht ganz vorbei… denn im Stephanus-Stift wurden wir für ein letztes Konzert erwartet. Das die Podeste bereits für uns aufgebaut waren, schien bei uns zu allgemeiner Heiterkeit beim Einsingen zu führen. Wir machten uns mit dem Klang des Raumes vertraut, wohlgeordnet in symetrischen Reihen, und sichtbar vom Dirigierpult – abgesehen von einem Tenor. Zudem waren einige Chorsänger wohl, laut Chorleitung, zu klein. Das Konzert war in vielerlei Hinsicht ein besonderes: Zunächst hatten wir es dieses Mal endlich geschafft auch unsere Köche zum Konzert zu locken, zudem war es wohl das erste Konzert unter einem Basketballkorb und mit einem so lebhaften, mitteilungsfreudigen Publikum…
Doch bald machte sich Aufbruchstimmung breit. Die Transportmittel von uns Singenden sowie sämtlichem Gepäck wechselten von S-Bahn, Auto oder Fahrstuhl zu Reisebus. Nun hieß es Abschied nehmen von Christopher, Rico und den Phillippis. Berlin verabschiedete uns mit Schnee und Kälte. So fuhren wir durch die Nacht nach Hause, in großer Vorfreude auf kommende Chorprojekte.
Das ist Lotti, unser wahrscheinlich, süßestes Chormitglied. Lotti begleitet uns auf all unsere Reisen, wie jetzt auch auf unsere Berlin-Tournee.
Wie kam Lotti nun aber zum Chor? Im Oktober begleitete die Tochter unseres stetigen Begleiters und Musikers Christopher Peyerl ihren Vater auf ein Kinderchorlager. Wie sicher jedes Kind hat auch sie ein Kuscheltier, was überall mit hin muss. Und so erweckte Cordula Fischer, unsere Chorleiterin, den Bären zum leben. Beim nächsten Chorlager war das kleine Tierchen nicht mit und Frau Fischer äußerte den Wunsch nach einem Chorlagertier. Als aufmerksame Chorsängerinnen erfüllten wir ihr also diesen Wunsch.
Ein hin und her: „Welches Tier soll es nur werden?“ Wir überlegten von Lama über Vogel bis Delfin. Auf Chorlagern ist unsere Dirigentin sehr viel auf Trapp, von daher war schnell klar, dass das Tier ein Faultier zum Entspannen sein sollte. Schnell noch Geburtstagswünsche gereimt und endlich hieß es, zwischen Proben, das neue Chormitglied vorstellen. Seither ist Lotti unentbärlich.
Heute waren wir auf dem Flughafen Tempelhof. Ein riesiges Konstrukt voller Geschichte und verstecktem Brutalismus. Mit einer Führung erkundeten wir die Tiefen und die Höhen das Flughafens, die kleinen, dunklen Luftschutzbunker, bis hin zu einer grandiosen Aussicht auf Berlin.
Räume so lebendig, dass man vermuten könnte das diese erst vor kurzen voller Leben waren. Spuren von einer längst vergangenen Zeit durchzogen die Wände und die Mauern. Lachen, wilde Diskussionen und manchmal vielleicht sogar Tränen vernahm dieser Ort und zog sie wie ein Schwamm in sich auf und trägt diese in die Ewigkeit weiter.
Und natürlich gab es an diesem Tag auch ein Konzert. Auf dem weg dorthin über das Tempelhofer Feld verloren wir leider die 48 und 49. Spandau erkundeten wir und ließen den Ort erklingen und zum Tanzen bewegen. Die Kirche voller Kontraste, gotische Säulen, eine expressionistische Krippe und minimalistische Fenster. Doch wahrlich sind wir keine Maschinen und genossen eine lange Pause und eine grandiose Tribüne, um unseren Geist zur Musik zu öffnen. Es war ein gelungenes Konzert voller Euphorie und Klang.
Schneeflocken tanzen durch die Luft. Dicke, nasse Schneeflocken, die auf der Kleidung und in den Haaren kleben bleiben. Und auf meiner roten Strickmütze. „Du siehst aus wie ein Fliegenpilz!“ lacht mein Bruder. Durch die Schneeflocken macht sich der Chor auf den Weg zur der leersten Fläche in der vollen Stadt Berlin. Dort, hinter den Häusern, auf der anderen Seite der Straße voller hupender Autos und quietschender S-Bahnen eröffnet sich eine stille Endlosigkeit. Eine riesige offene Ebene. Der Horizont strahlt in seiner winterlichen Kälte und lockt uns in die Freiheit der windigen Weiten.
Und mit einem Mal fühlt sich eine Gruppe von knapp 70 Personen in der Großstadt ganz und gar nicht mehr unproportional an. Auf so einer Fläche von 300 Hektar hätte jeder von uns knapp 5 Hektar zu Verfügung. Das wäre tatsächlich mal ein Szenario, in dem das Nicht-Hören der anderen Stimmen zu einem echten Problem anstatt zu einer Ausrede würde. Aber natürlich bleibt die Herde zusammen und startet keine akustischen Experimente. Brav folgen alle dem philippischen Schäfer, seine fleißigen Hütehunde rennen um die Herde und sammeln jedes abgelenkte Chorkind flink wieder ein. Doch der Schnee lockt. Schnell fliegt der erste weiße Ball und bald darauf der zweite. Durch die tobenden Kinder sehe ich, wie mein Bruder seine Hände in den pappigen Schnee taucht und eine wässrige Kugel formt. Er zielt auf mich und trifft mich – und zwar voll im Gesicht.
Der Schnee war nass und nicht besonders kalt. Ich spürte, wie er auf meiner Haut schmolz und am Hals hinunter tropfte. Ich sah meinen Bruder, einige Meter neben mir in der aufgeregt plappernden Menschenmenge. Sein Blick war merkwürdig, wie erstarrt in der Freude über seinen guten Treffer. Irgendetwas war komisch. Nicht nur sein Blick, auch seine Kleidung war anders. Er trug eine alte, ausgebeulte Hose mit Hosenträgern und ein graues Hemd. Als ob das nicht alles ungewöhnlich genug wäre, hatte er eine blaue Schiebermütze auf dem Kopf. Ich schaute an mir herunter und stellte mit Erstaunen fest, dass auch ich aussah wie aus einer anderen Zeit. Über einer weißen Bluse mit Rüschen an den Armen trug ich einen knielangen, geblümten Rock. Lange schauten wir uns an, wie verloren in der Zeit.
Doch wir gingen wie immer voll mit der Mode. Denn wie uns auffiel, trugen alle Menschen um uns herum ähnliche Kleidung. Hosenträger, Röcke, Rüschen: alles ganz normal… Was war das eigentlich für ein Lärm? Über uns dröhnte es pausenlos ohrenbetäubend. Für den Bass war dieses Brummen zwar nicht ungewöhnlich, aber doch deutlich zu laut. Und fliegen konnte die trägste der Stimmgruppen mit Sicherheit nicht. Noch unwahrscheinlicher war, dass der Rest des Chores freudig jubelnd in die Höhe blickte. Der Bass war es natürlich nicht, sondern Flugzeuge, die im Minutentakt landeten und wieder abhoben. Und auch die jubelnden Menschen gehörten eindeutig nicht zum Chor. Mit Stimmtechnik hatte das rein gar nichts mehr zu tun. Rufend und brüllend hießen sie die lärmenden Flugzeuge willkommen. Überall rannten hektisch Piloten umher, Helfende luden Pakete aus den Flugzeugen und das alles in einer atemberaubenden Geschwindigkeit. Kinder stritten sich um Tüten voll mit Süßigkeiten, die förmlich vom Himmel fielen. Die Größe des Tempelhofer Felds war unverändert, doch Ruhe und Leere verschwunden.
Verschwunden sind auch zwei Chorkinder. Nach einer heiteren Schneeballschlacht und einem üblichen Geschichtsvortrag über die bewegte Geschichte des Tempelhofer Felds sammeln die Hütehunde alle Schafe zum Zählen um den Schäfer. Die Eins wird laut und deutlich gerufen, alles scheint gut, doch die 48 und 49 fehlen. Alle suchen, doch keiner findet eine Spur der verschwundenen Schafe. Nur eine rote Strickmütze liegt irgendwo, durchnässt und vergessen in den weiten Endlosigkeiten des Tempelhofer Felds.
Erklärungsversuche erstrecken sich von einer Zeitreise bis zu der Legende, dass sich die betroffenen Chorkinder in Wirklichkeit in Erfurt aufhalten…
An der Havel hellem Strande regnet es nur immerfort… Mit dem Original dieses Liedes und dem Regenprasseln starteten wir in den heutigen Tag. Nach dem endlich wieder zu einer zu menschlichen Zeit eingenommenen Frühstück, hatten wir eine sehr durch Lüften und Durchzug geprägte kühle Probe. Ein kleines Chaos brach aus als der überpünktliche Clara Schumann Kinder- und Jugendchor sich der Probe anschloss (jetzt wurde es eng und warm) um die gemeinsamen Stücke fürs Konzert zu lernen. Dabei ist zu erwähnen dass der „Notausgang“ (also das, wohin man sich im Krisenfall wendet) offenbar im Singen des Soprans besteht. Noch wärmer wurde es, als wir den „Claras“ eine Einführung in unsere Chortänze gaben….
Nach dem gemeinsamen Essen ging es vor die Tür, wohl zum Abkühlen. Wir fuhren eine, auch für Berliner Verhältnisse lange, Strecke mit der U-Bahn zu unserem heutigen Konzertort, dem Kulturstall von Schloss Britz. Dort angekommen hatten wir nach dem sehr aufwendigen und kräftezehrenden Aufbau der Podeste eine leicht chaotische sehr kurze Ansingeprobe.
Bei dem Clara Schumann Kinder- und Jugendchor handelt es sich im einen reinen Oberstimmenchor, so wahr es wenig verwunderlich dass eine Sängerin verwundert „Da ist ja ein Mann!“ ausrief als sie hinter einer Tür unerwarteter Weise einen unserer – in dieser Situation bekleideten – Bässe erblickte….
Obwohl wir mit der Akustik des Kulturstalles zu kämpfen hatten und unser Tempo nicht immer ganz mit dem Dirigat übereinstimmte, war es ein sehr schönes Konzert. Ein besonderes Highlight waren die gemeinsam gesungenen Stücke mit den „Claras“. Zurück in der Gästeetage hieß es für uns Sachen ablegen, essen, Tagesabschluss und mit dem Mond in f wurde der erschöpfte Chor ( abgesehen yom Doku-Team und einigen anderen Nachtwandlern) in die wohlverdiente Nachtruhe entlassen.
Besuch in der Alten Nationalgalerie ohne Winterdienst
Am dritten Tag des neuen Jahres hatten wir die seltene Qual der Wahl. Ich, und einige andere, trafen die Entscheidung uns mit etwas Kunst zu beglücken – die Alte Nationalgalerie sollte es werden. Hoffnung auf den Genuss verschiedener bekannter Kunstwerke, darunter solche von Caspar David Friedrich und Edvard Munch, hatte unser Interesse entfacht. Die Ankunft vor der Nationalgalerie war jedoch mitnichten eine ausschließlich fröhliche. Mit Blick auf die kalten – keinesfalls eisigen – Temperaturen, hatten wir es gewagt die Stufen hinter den „Kein Winterdienst“-Schildern für ein Gruppenfoto zu erklimmen. Daraufhin äußerte eine nette Frau in klassischer Berliner Höflichkeit ihre Bedenken über unsere Sicherheit und ihre Versicherungswürdigkeit (Sie schien wohl eine Mitarbeiterin des Hauses und sehr auf Schilder fixiert zu sein).
In der Eingangshalle angekommen wurden wir auf gleiche Weise auf unsere Verfehlungen in Sachen „Buchung für Gruppen im Vorhinaus“ hingewiesen.
Doch als letzten Endes all diese Hürden überwunden waren, eröffnete sich uns eine tatsächlich wunderbare Ausstellung. Man muss dazu wissen, dass eben nicht nur die gezeigten Skulpturen, Gemälde und Skizzen die alte Nationalgalerie auszeichnen, sondern auch das Gebäude selber einen Blick Wert ist. Alles hatte den Charm einer prunkvollen Villa – mitsamt Eingangshalle, roten Teppichen auf großen Treppen und kunstvollen Verzierung auf hohen Säulen aus Marmor. Das einzige Störelement in diesen Hallen der Kunst bildete der fiepende Alarm, welcher ertönte, sobald man sich einem Kunstwerk zu sehr nährte (was unabwendbar alle paar Minuten geschah).
Die Exponate der Alten Nationalgalerie in ihrer Gänze zu beschreiben, würde den Rahmen dieser kurzen Erzählung sprengen. Einige Worte müssen genügen:
Heute morgen hieß es früh aufstehen. Schon um 6:30 Uhr wurden die Teilnehmenden geweckt. Gerade aufgewacht ging es direkt zum Frühstück, damit wir es pünktlich um 10 zum Bundestag schafften. Es folgte eine Sicherheitskontrolle, streng wie an einem Flughafen. Glasflaschen, versehentlich mitgenommene Messer und sogar eine Musikbox wurde vom Sicherheitsdienst einbehalten.
Nachdem sich leider herausstellte, dass vier Personen zu wenig auf der Besucherliste standen und auch keine Chance bestand sie mit einzuschleusen, ging es für uns zuerst in den Plenarbereich des deutschen Bundestages im historischen Reichstagsgebäude, wo uns ein sehr charmanter und kompetenter Politikwissenschaftler einiges über das Gebäude und dessen Inhalt erzählte und unseren Fragen Rede und Antwort stand. In einer Pause zwischen den parallel stattfindenden Führungen konnten wir sogar noch die Akustik des Saals testen.
Nun folgte ein weiterer Vortrag, der leider wegen der Winterpause des Bundestags nicht von der Abgeordneten Antje Tillmann sondern von ihrem Mitarbeiter gehalten wurde. Nicht jeder konnte in den gesamten 2,5 Stunden immer aufmerksam zuhören und kämpfte mit der Erschöpfung der letzten Tage.
Dies änderte sich jedoch bald, denn es ging hinauf in die Kuppel. Schnell eine Runde die Spirale rauf und wieder runter und schon mussten wir, durch den Fahrstuhl dreigeteilt, aus dem Sicherheitsbereich raus, das Gebäude wechseln und das Prozedere begann von vorn. Die Taschen leeren, alles was nicht am Körper verbleibt durchleuchten lassen, Glasflaschen, Taschenmesser und Musikbox wieder abgeben und selbst durch den Metalldetektor gehen. Endlich konnten wir in Ruhe unsere leeren Mägen füllen. Dann hieß es erneut Gruppenteilung, denn nun begann wie auf jeder Tournee unsere Museumstour. Nun ein paar Berichte aus den kleinen Gruppen:
Im Jüdischen Museum wurde die Geschichte des Judentums mit allen Sinnen erlebbar. Der schon von außen sehr beeindruckende Bau führte die Chorsänger/innen zunächst zu den drei Lebens „-Achsen“ der Juden während der Zeit des Nationalsozialismus: Holocaust, Exil und Kontinuität. Letztere war keine Sackgasse und führte die Besuchenden eine hohe Treppe hinauf in die Geschichte des Judentums. Die moderne anschauliche Ausstellung bot ebenso Einblicke in jüdische Musik, Kunst, das heutige Judentum und einen einfachen Test ob man der Messias sein könnte. – Annalena
Für einen kleinen Teil unserer Gruppe stand, der Besuch im Deutschen Technikmuseum Berlin an. Viele verschiedene Themen, vom ersten Computer bis hin zu Pharmazie, warteten dort auf uns, sodass wir uns nun noch mal, je nach Interessen, aufgeteilt haben. Zwei Stunden wanderten wir durch die verschiedenen Häuser bis wir um 17 Uhr an unserem Ausgangspunkt angekommen waren. Einige von uns nahmen sich vor noch ein mal im Museum vorbei zu schauen. – Ineke
Unsere Besuch im Museum Topographie des Terror hielt für uns sehr interessante und bewegende Informationen über Geschichte rund um das Thema des Nationalsozialismus bereit. Es gab uns Einblicke von der Machtergreifung Hitlers bis zur Nachkriegszeit. Der Audioguide präsentierte uns die wichtigsten Fakten die durch hervorragendes Bildmaterial unterstützt wurden. – Frida
Das Haus der Gesichter und der fremden Länder – Heute verschlug sich eine kleine Gruppe in die alte Nationalgalerie. Ein riesiges, verwinkeltes , altes Bauwerk voller Kunst. Während man sich zwischen Anselm Feuerbach und Manet verliert beobachten einen die verschiedesten Skulpturen, Psyche mit von Tränen geküssten Amor mit Schalk in den Augen und der Denker mit gesenkten Blicke. Ihre Gesichter erzählen eine alte, längst vergangene Geschichte voller Leidenschaft, Verlangen, Freude und Verzweiflung. – Charlotte
Eine weitere Gruppe unseres Chores führte der Weg ins Berliner Medizinhistorische Museum der Charité. Dort gab es einige Exponate rund um die Geschichte der Medizin, sowie ihrer Vorgängerin, der Anatomie, in sowie außerhalb Berlins. Einige Exponate bestanden aus echten menschlichem Gewebe und waren daher nur mit Vorsicht zu betrachten. Doch interessant war es allemal. In einer Sonderausstellung ging es speziell um das Gehirn, und die menschliche Annäherung an dieses komplizierte System. Sie erfolgte künstlerisch, philosophisch sowie wissenschaftlich. In der Dauerausstellung gab es einen sehr interessanten Ansatz: Die Charité wollte nicht nur einen Fokus auf die Forschenden, sondern auch auf die Erkrankten legen. Unter welchen Umständen wurden sie medizinisch versorgt und behandelt? Welche psychischen Auswirkungen hatte das auf sie? Es wurden einige Beispiele aus den letzten 600 Jahren Menschheitsgeschichte präsentiert. – Wigo
Zurück in der Gäste-Etage gab es nach einem guten Abendessen zum krönenden Abschluss des Tages noch einen spannenden Film über die Luftbrücke, die über 15 Monate (1948-1949) das abgeriegelte Westberlin mit allem Überlebensnotwendigen versorgte. So war der Film aus der Sicht des Publikums: „Die Liebesgeschichte war schon sehr vorhersehbar. Ich wusste schon ab der Hälfte, wie sie ausgeht.“ – Ineke, „Hätte man die Liebesgeschichte weggelassen, wär’s eine Doku.“ – Christoph
Der Gemeinschaftsblog der Chorakademie Erfurt und der schola cantorum weimar.